Donnerstag, 24. Januar 2008

Kambodscha: Phnom Penh

Tag 1: Ankunft

Tag 2: Grand Palace und National Museum

Tag 3: Killing Fields und Station 21

Tag 4: Russian Market, Abreise und Schlusswort


Das Tolle an so einem 1-Jahres Visa für Thailand ist, dass man immer nur eine Aufenthaltserlaubnis für 3 Monate bekommt, danach muss man aus dem Land raus und kann wieder einreisen.

Für mich und Matthias war es deshalb letztes Wochenende an der Zeit, eben einen solchen Ausflug aus Thailand heraus zu machen. Pasi hatte auch nichts besseres zu tun, deshalb kam er kurzerhand mit. Und nachdem wir einen Abend lang Flugpreise und Alternativen verglichen haben, fiel auf unsere Wahl auf Phnom Penh, die Hauptstadt von Kambodscha.


Kambodscha wird dem ein oder anderen hier vielleicht etwas sagen - Angkor Wat, die weltberühmte Tempelstadt steht dort, und von 1975-79 war das Land unter dem Regime der Roten Khmer stand. Dieses Regime hat in seiner doch recht kurzen Herrschaft wahrlich beispielloses Leid geschaffen, rund 1,5 Millionen der damals 8 Millionen Einwohner Kambodschas sind damals angeblich gestorben, an Hunger, Folter oder Krieg.

Kambodscha war bis 1953 auch eine französische Kolonie gewesen.


Tag 1: Ankunft


All diese Einflüsse bekommt man schnell zu sehen, wenn man den recht kleinen und nicht gerade sonderlich geschäftigen Flughafen von Phnom Penh verlässt und sich von einem Taxi in Richtung des Ufers des Mekong-Flusses, der mitten durch die Stadt verläuft fahren lässt.

Dass dieses Land noch recht arm ist und sich erst noch entwickeln muss, erkennt man schnell an den zahlenlosen Müllhaufen die überall an den Straßen herumliegen. Eine funktionierende Müllabfuhr gibt es wohl noch nicht. Andererseits bietet die Stadt gerade im Vergleich zu Bangkok sehr viele Grünflächen, die auch gut gepflegt sind und zusammen mit den Villen im französischen Stil die Stadt wirklich schön erscheinen lassen.

Pasi war schonmal für eine Nacht in Phnom Penh gewesen und kannte daher noch ein Guest House, welches recht gut sein sollte - das Okay Guest House. Und was soll ich dazu sagen, der Name ist Programm - ein sauberes Zimmer mit 3 bequemen Betten, Fernseher, Klima-Anlage und Badezimmer für zusammen 15$ pro Nacht, da kann man echt nicht meckern.

Nachdem wir uns einquartiert hatten, haben wir uns ein Abendessen im Speisesaal des Guest Houses gegönnt - dort gab es zu unserer Freude viel westliches Essen zur Auswahl und auf dem Fernseher lief ein guter Film auf DVD nach dem anderen. Abends sind wir dann noch ein wenig an der Straße am Flussufer entlang gelaufen, auf der Suche nach einer Bar oder irgendwas ähnlichem wo noch etwas los ist. Doch in dieser Stadt werden scheinbar schon gegen 23 Uhr die Bordsteine hochgeklappt. Die wenigen Bars die um diese Zeit noch offen hatten waren recht verlassen. Auf den Straßen sieht man um diese Zeit dann auch nicht mehr viele Leute - außer den Obdachlosen und den TukTuk-Fahrern die in ihren TukTuks übernachten.


Tag 2: Royal Palace und National Museum


Am 2. Tag wollten wir die großen kulturellen Highlights von Phnom Penh besichtigen, deshalb sind wir zum National Museum und anschließend zum Royal Palace. Das National Museum stellt eine Vielzahl alter Khmer-Schätze aus, in einem sehr schönen, alten Gebäude mit 4 Flügeln und einem echt paradiesischem Garten in der Mitte. Die Khmer hatten vor 600-700 Jahren ein recht großes Imperium aufgebaut, und aus dieser Zeit sind viele der dort ausgestellten Statuen, teilweise noch älter - und in einem entsprechenden Zustand sind viele dieser Stücke eben auch. Und so kann man dort wirklich zig, gleich aussehende und ähnlich verfallene Buddhastatuen ansehen... nebst einigen wesentlich interessanteren Vasen, alten Messern, Schmuckstücken etc.


Danach sind wir dann zum Royal Palace gegangen, der direkt neben dem Museum liegt. Zu dem gibt's jetzt aber nicht so viel zu sagen, der Palast sieht nämlich insgesamt dem in Bangkok sehr ähnlich. Das Einzige was wirklich herausstach war die Silver Pagoda, das ist ein großer Raum, dessen Boden ursprünglich mal komplett mit Silberplatten ausgelegt war - sehen kann man von diesen Platten allerdings nur noch ein paar wenige, über dem restlichen Boden liegen Teppiche. In diesem Raum steht außerdem ein Jade-Buddha, ähnlich dem in Bangkok auch auf einer Pyramide aus Gold und Edelsteinen thronend. Vor dieser Pyramide steht eine mannshohe Statue eines Heiligen, wie ein Wächter für den Buddha hinter ihr.

Nachdem wir mit dem Palast durch waren, sind wir noch eine Weile durch die Stadt gelaufen, haben im Guest house was gegessen und sind dann zum Foreign Correspondence Club, eine Bar/Restaurant/Hotel in einem und ein Treffpunkt für Ausländer in Kambodscha noch dazu. Wir hatten noch nicht einmal das erste Bier leergetrunken als wir dort auch schon von einem Schweden und einer Rumänin eingeladen uns an deren Tisch zu setzen. Die beiden arbeiten für Ericsson und halfen dabei mit, ein Mobilfunknetz in Kambodscha aufzubauen. Gerade der Schwede scheint mit diesem Job schon viel rumgekommen zu sein, klang sehr interessant, was er zu erzählen hatte. Mit den beiden hatten wir viel Spaß an diesem Abend ;).


Tag 3: Killing Fields und Station 21


Am 3. Tag stand ein sehr ernstes Programm an. Denn es gibt in Phnom Penh noch genug Orte, die an das Regime der Roten Khmer erinnern. 2 davon haben wir uns am Montag angeschaut. Zuerst sind wir zu den Killing Fields, dem Ort, an dem die Roten Khmer tagtäglich Gefangene exekutiert haben. Die Killing Fields sind ca. 15km außerhalb von Phnom Penh, deshalb sind wir mit dem TukTuk dahin gefahren.
Die Fahrt dahin war sehr interessant, da wir einen großen Teil Phnom Penhs dabei sehen konnten. Ganz besonders ins Auge stach eine mehrere Kilometer lange Straße am Stadtrand. Links dieser Straße lag ein kleiner aber steiler Hang und kurz dahinter fingen die ersten Reisfelder an. An diesem Hang nun reihten sich, auf Holz- oder Betonpfeilern stehend, jede Menge Häuser aneinander, von den ärmsten Holz- und Wellblechhütten bis hin zu modernen, in sanften Gelb- oder Orangetönen gehaltenen großen Wohnhäusern. In vielen der Holzhäuser waren Handwerker an der Arbeit, viele schweißten oder hämmerten Stahl, manche arbeiteten mit Holz. So ein Bild kann man sich in einer deutschen Stadt kaum vorstellen, eine kleine offene Werkstatt neben der anderen, dazwischen immer wieder schöne Wohnhäuser und dann wieder eine halb zerfallene Blechhütte. Das liegt hier alles direkt nebeneinander.

Schließlich kamen wir dann aber zu den Killing Fields. Direkt hinter dem Eingang bekamen wir auch direkt einen kleinen Teil des Leids zu Gesicht, den die Roten Khmer verursacht haben zu sehen: In einer ca. 10m hohen Stupa sind gut 8000 Totenschädel aufgebahrt, die aus den Massengräbern auf den Killing Fields geborgen wurden. Von den Massengräbern sind übrigens längst nicht alle ausgehoben. Die Killing Fields an sich könnten dann eigentlich ein recht schöner Ort sein, man wandert durch ein weites, grasbewachsenes Feld, auf dem vereinzelte Bäume wohltuenden Schatten spenden, im Hintergrund hört man lachende Kinder von einer Schule, die nur wenige Meter entfernt steht. Doch dieses Feld ist uneben, überall sind halb überwachsene Gruben und wenn man sich vorstellt, dass in diesen Gruben früher bis zu 450 Leichen verscharrt wurden, verliert der Ort jede Schönheit. An bestimmten Stellen stehen Holzschilder und erklären den Zweck eines bestimmten Baumes oder was in einer Grube gefunden wurde. So gab es z.B. einen Baum, der 'Magic Tree' genannt wurde - an ihm hingen die Roten Khmer Lautsprecher auf um mit lauter Musik die Schreie der Sterbenden zu übertönen, damit keine der Bauern auf den Feldern in der Nähe etwas von den Verbrechen die dort begangen wurden mitbekamen.

Die Killing Fields sind aber nunmal auch ein Ort zu dem viele Touristen kommen, und so trafen wir auf einem Pfad der am Rand der Felder verläuft auf ein paar Kinder, die ein paar Doller von uns haben wollten, allerdings auf eine sehr aggressive Art. Die forderten von uns direkt 5$ und wurden ziemlich aggressiv, wenn man ihnen weniger gab.

Nun ja, die Killing Fields sind kein Ort, an dem man sich gerne länger aufhält, wenn man mal alles gesehen hat, also ging's mit dem TukTuk direkt weiter zum nächsten Ort an dem die Roten Khmer gewütet haben: Station 21 (kurz S:21, in Khmer Tuol Sleng), einem Gefängnis mitten inPhnom Penh und das zum Symbol wurde für die unglaublichen Qualen die die Roten Khmer ihren Gefangenen zuteil kommen ließen. Diesmal heuerten wir uns auch eine Führerin an die uns etwas mehr Details zu diesem Gefängnis erzählen konnte. Tuol Sleng war früher einmal eine Schule gewesen und bestand im Wesentlichen aus 3 zentralen Gefängnishäusern, A,B, und C. Im A-Gebäude waren die 'ranghöheren' Gefangenen untergebracht: Ehemalige einflussreiche Politiker, Geschäftsleute und ehemalige Funktionäre der Roten Khmer (dieses Regime war so paranoid, dass viele der eigenen Leute auch früher oder später in Gefängnissen und letzendlich auf den Killing Fields landeten). Die Gefangenen im A-Gebäude hatten ein Bett mit einem Rost aus Stahl und ein Kissen, und immerhin eine recht geräumige Zelle für sich selbst. Im unteren Teil des B-Gebäudes waren die weniger wichtigen Gefangenen untergebracht, immer noch in Einzelzellen, allerdings waren diese nicht größer als 2m², es gab keine Türen (und alle Fenster im Gebäude waren permanent geschlossen) und keine Möbel. Im oberen Teil des B-Gebäudes waren die Massenzellen für Kinder und sonstige unwichtige Gefangene. Alle Gefangenen, egal ob in A oder B-Gebäude waren permanent an ihren Füßen angekettet. In den Massenzellen wurden sie an lange Stahlstangen gegekettet und dann einfach in Reihen auf den Boden gelegt.
Im C-Gebäude fanden dann die meisten Folterungen statt, wenn ich das richtig verstanden hatte. Ich werde jetzt hier nicht näher auf die Foltermethoden dort eingehen, ich denke es reicht zu sagen, dass sie barbarisch und brutal waren. Die Folterungen hatten angeblich das Ziel, Informationen zu erlangen und so saß immer ein Schreiber diesen bei und verfasste ein Protokoll des 'Verhörs'.
Wer nach Tuol Sleng ging, der verließ dieses eigentlich nur lebend, wenn er auf einem Laster auf dem Weg zu den Killing Fields war um dort umgebracht zu werden. Von 20.000 Insassen in 4 Jahren haben die Gefangenschaft dort nur 7 Leute überlebt und die hatten das geschafft weil sie sich nützlich machen konnten. So waren 2 der Überlebenden, die die Vietnamesische Armee dann schließlich befreite Maler gewesen, die das Gefängnis verschönern sollten.
Dieses Gefängnis legt ein wirklich bedrückendes Zeugnis davon ab, wie grausam die Menschheit zu sich selbst sein kann.

Manch einer fragt sich jetzt vielleicht, wie man so ein Gefängnis mitten in der Hauptstadt bauen kann, ohne dass die Bevölkerung viel davon mitbekommt. Nun, das war in diesem Fall recht einfach: Die Roten Khmer haben Phnom Penh nahezu völlig entvölkert. Nur wenige Stunden nach ihrem Einmarsch in die Stadt haben sie die Bevölkerung aufgeteilt und in verschiedene Teile des Landes gebracht. Während der Herrschaft der Roten Khmer lebten nie mehr als 50.000 Menschen in der Hauptstadt.

Nach unserer Rückkehr von den Killing Fields waren wir dann noch in einem Irish Pub essen (bestes Essen seit langem ;)) und haben im Guest House ein Gute-Nacht-Bier getrunken.



Tag 4: Russian Market, Abreise und Schlusswort


Alles neigt sich mal dem Ende zu, so auch unser Trip nach Kambodscha. Am Dienstag mussten wir zurückfliegen, doch davor sind wir noch auf den Russian Market, um ein paar Souvenirs zu kaufen. Der Russian Market hat seinen Namen aus Sowjet-Zeiten, als viele Russen oft nach Phnom Penh kamen um dort billig einzukaufen. Heute findet man dort allerlei Markenklamotten, die andernorts in Kambodscha billig produziert werden, außerdem kambodschanische Seide, Kleidung im ostasiatischen Stil (z.B. Kimonos), allerlei Handwerkswaren, DVDs und nahezu alle Einzelteile eines Mopeds.
Nachdem ich dort gut eingekauft hatte, sind wir dann zum Flughafen und ab in den Flieger nach Bangkok.
Und bei der Rückkehr hat man auch direkt gemerkt, wie entwickelt Thailand im Vergleich zu einigen seiner Nachbarländer eigentlich ist - der Flughafen ist hier doch einige Dimensionen größer als der in Phnom Penh, hier gibt es eine Müllabfuhr und öffentliche Verkehrsmittel und Straßen in einem annehmbaren Zustand ;). Dennoch ist Phnom Penh mMn für Jeden, der mal in die Gegend kommt eine Reise wert. Es ist trotz der Armut auf jeden Fall eine schöne Stadt, auch dank der vielen Grünflächen und den vielen noch erhaltenen Gebäuden aus der Kolonialzeit. Viele Kambodschaner können auch recht gut Englisch, gerade im Vergleich zu den Thais, wo außer Studenten nicht viele Leute groß Englisch können.


Bilder des Trips gibt's in den nächsten Tagen, wenn ich die mal alle durchgegangen bin und sortiert habe ;).

So long :).

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

komm schnell heim :-)
Ace

Anonym hat gesagt…

Klingt sehr interessant! Ich muss irgendwann unbedingt diese Länder bereisen :-)