Mittwoch, 16. Januar 2008

Das Leben in Thailand, Teil 3: Politik

So, meine Klausuren habe ich überstanden - bis auf eine, die am Tag an dem sie stattfinden sollte mal eben verlegt wurde und zwar auf diesen Samstag. Das Schöne daran ist, dass wir den Professor der diese Klausur stellt am selben Tag noch auf dem Campus trafen, der war also nicht krank oder sonstwie verhindert -.-.
Sonst gibt es noch nicht viel zu berichten, ich habe die letzten 2 Wochen eben hauptsächlich mit Klausuren schreiben, lernen und gammeln verbracht.

Und deshalb schreibe ich euch heute mal ein wenig was über die Politik hier in Thailand - soll ja niemand sagen können, dass ich hier nur wilde Partyberichte poste :D.

Ach ja, Bilder von Hua Hin gibt's nun auch, ich hoffe sie gefallen euch :).



Sooooo, dann mal zum Thema:

Der ein oder andere hat's vielleicht mitbekommen - am 23. Dezember fanden in Thailand Wahlen statt. Thailand hat aber gleichzeitig einen König als Staatsoberhaupt, das Land ist also ähnlich wie Groß-Britannien eine konstitutionelle Monarchie. Allerdings spielte in der Geschichte des Landes das Militär besonders im vergangenen Jahrhundert eine sehr starke Rolle und hat auch jetzt noch Einfluss auf die Politik. Angefangen hat diese Macht des Militärs in den 1930er Jahren. 1932 kam es zu einer unblutigen Revolution, die Thailands erste Verfassung hervorbrachte (bis dahin hatten die Könige allein geherrscht). Der König dankte kurz danach ab. Das Militär wollte eine Rückkehr der Royalisten verhindern und stellte sich deshalb auf die Seite Revolutionäre, und wurde deshalb im Laufe der kommenden Jahre immer stärker. Im Jahr 1938 riss das Militär dann die Kontrolle im Land an sich und führte das Land an der Seite Japans in den 2. Weltkrieg. Bis 1973 war Thailand dann mehr oder minder eine Militärdiktatur gewesen. Allerdings wurden die Forderungen nach mehr Demokratie immer lauter, bis sich 1973 eine Massenprotestbewegung in Bangkok und Umgebung bildete, angeführt von Studenten. Als Folge dieser Proteste gab das Militär die Macht wieder ans Volk zurück. Allerdings konnte die neue Regierung keine Probleme anpacken und versank in Streitereien, während gleichzeitig die Kommunisten im Land immer stärker wurden. Deshalb übernahm das Militär schon 1976 wieder die Kontrolle, arbeitete diesmal allerdings mit dem Parlament zusammen und ließ mehr oder minder freie Wahlen zu. Bis in die 1990er Jahre hinein war es dann relativ ruhig, doch dann kam es wieder zu Unruhen, da die damalige Regierung als korrupt galt - das Militär setzte sie deshalb ab. 1992 gab es dann neue Wahlen und dann mW keien weiteren Militärputsche mehr, bis...

2006 - Das Ende von Thaksins Regentschaft.

Thaksin war bis 2006 Ministerpräsident gewesen, und auch sehr beliebt bei den armen Leuten auf dem Land, da er für sie kostenlose Arztbesuche einmal im Jahr und andere Vorteile schaffte. Gleichzeitig stopfte er sich aber die eigenen Taschen voll, hinterzog Steuern etc. Deshalb setzte das Militär ihn postwendend ab, als er sich im September 2006 auf einer UN-Versammlung in New York befand. Seit dem hat er das Land nicht mehr betreten, da ihm hier ein Gerichtsverfahren droht.
Das Militär setzte eine Übergangsregierung ein, die bis zu den Wahlen im vergangenen Dezember regierte.

Bei den Wahlen am 23.12. gab es 2 große Volksparteien die um die Macht rangen: Die PPP (=People's Power Party) und die Demokraten. Die PPP besteht zu einem großen Teil aus Leuten, die in Thaksins alter, mittlerweile verbotenen Partei waren und die Thaksins Kurs fortführen will, ihn sogar begnadigen will, wenn sie kann. Die Demokraten sind gegen Thaksins alten Kurs und wollen Veränderung.


Gewonnen hat die Wahl jedoch die PPP die gut 45% der Sitze im Parlament holte. Der Grund dafür: Auf dem Land ist Thaksin immer noch sehr beliebt, da dort die meisten Menschen arm sind und diese von Thaksins Steuerhinterziehungen nichs mitbekommen haben. In Bangkok haben die Demokraten einen deutlichen Vorsprung eingefahren. Allerdings gilt sowohl auf dem Land als auch in Bangkok, dass sich die Parteien gegenseitig Stimmenkauf vorwerfen... so ganz sauber wird die Wahl denke ich auch nicht gewesen sein.
Es gibt hier ein Sprichwort, das lautet:"Das Volk auf dem Land wählt die Regierung, das Volk in Bangkok setzt sie wieder ab"... genau dies ist jetzt wohl wieder passiert.

Die Thais die wir hier in Bangkok kennengelernt haben scheinen zu einem großen Teil aber eh kein Vertrauen und kein Interesse an ihren Politikern zu haben... Toon hat z.b. auf ihrem Wahlzettel keinen Kandidaten gewählt.

So, das soll dann erstmal reichen.

Am Wochenende fliegen wir wahrscheinlich nach Singapur, da kann ich euch dann hoffentlich nächste Woche etwas mehr berichten ;).

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hmmmm.
Was hälst du davon wennw ir beide die Macht an uns reissen?
Erst Thailand dann Cuba?

Anonym hat gesagt…

Hach ja, Politik kann doch so unterhaltsam sein. ;)